Für Patienten |
Seitliche und Höhenausdehnung der Kieferhöhlen (Frontalschnitt) |
![]() Ausdehnung der Keilbeinhöhle | Anatomie Die Nasennebenhöhlen sind ein ca. 50 cm langes, sich verzweigendes Schlauchsystem mit Ausstülpungen: Kiefer-, Stirn- und vordere Siebbeinzellen münden in den mittleren - hintere Siebbeinzellen und Keilbeinhöhle in den oberen Nasengang. Ferner zählen zu den Nebenhöhlen die Mittelohr- und Mastoidräume. Auskleidung mit "respiratorischer" Schleimhaut: Basalmembran, Basalzellen, Becher- und Flimmerzellen. |
Physiologie Die Clearance der NNH wird durch das sympathikoadrenerge System gesteuert. Über der respiratorischen Schleimhaut liegt ein nur ca. 20 µ starker, zweischichtiger (semisolider) Sekretfilm aus einer inneren Solschicht und einem äußeren Gelteppich. Beide sind durch eine membranartige Grenzschicht voneinander getrennt und bestehen aus einem alkalischen Proteid, dessen hochmolekulare, fadenförmige Polymere durch S- und H-Brückenbildung ein dreidimensionales Netzwerk bilden. Das Proteid wechselt bereits bei einer pH-Wertänderung von 7,5-7,6 (!) vom Sol- in den Gelzustand. Der automatisiert ATP-gespeiste Wirkschlag der Zilien erreicht den Gelteppich und bewegt diesen rhytmisch vorwärts. Die Richtungen des ca. 1000 mal pro Minute stattfindenden Zilienschlags ähnlich einem Förderband verlaufen in den Nasenhaupthöhlen in Richtung der Choanen, in den Nebenhöhlen in Richtung der Ostien, in den Bronchien kranialwärts. Fremdpartikel werden so in Richtung Mundrachen weitergereicht: "Mukoziliäre Clearance". Partikel > 20µ werden in den Nasenhaupthöhlen, kleinere erst in tieferen Abschnitten festgehalten (wichtig für den Wirkort von Ärosolen, die in tieferen Bereichen nur mit Partikelgrößen < 5µ wirken!). | ![]() Becher- und Flimmerzellen mit Zilienschlag
Schleimtransportstörung bei pH-Abfall |
Aufgaben der Nasennebenhöhlen Folgende Aufgaben werden den NNH zugeschrieben:
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Prophylaxe In einem Großversuch bei Soldaten wurde eine hochgradig signifikante Infektionsprophylaxe der Atemwege in der Gruppe von Probanden erreicht, die jeden Morgen eine 0,9 %ige physiologische Kochsalzlösung intranasal schnupfte. Der Wirkmechanismus scheint in der Provokation der mukoziliären Clearance zu liegen. Raumluft sollte aus dem gleichen Grunde bei 60 % Luftfeuchtigkeit gehalten werden. |
Pathophysiologie Über 30 % aller Atemwegsinfekte beginnen in den NNH! Mucosaschwellung infolge von Entzündungen führt zur Einengung der Ostien > Störung von Ventilation und Drainage > Sekretstau pH-Veränderung > > Gelieren der Solschicht > Entkoppelung des Mukoziliarapparates > Hypoxämie der Mucosa > Erstarrung der Zilientätigkeit > Veränderung des Wirtsmilieus für Saprophyten > Verlust der kompetetiven Hemmung pathogener Keime > Entzündung und Schwellung der Lamina propria > Ostienverschluß. | ![]() Entzündlich verquollene Sinusschleimhaut mit Blockade der Ostien | ![]() Sinusschleimhaut nach chirurgischer Korrektur und Öffnung der Ostien |
Therapie 1. Abschwellung der Schleimhaut
2. Sekretolyse und Förderung der Sekretmotorik
3. Antibiose 4. Chirurgische Erweiterung der Engpässe
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Epikrise Es fällt auf, daß die aus der Parodontologie bekannten Methoden des Schleimhaut-Infektionsmanagements (Sichtbarmachung der Keimbesiedlung durch Anfärben faerben.htm , Keimbestimmungen durch Gensondentest und spezifische Antibiose, mukosaanhaftende Desinfizienzien wie Chlorhexidin, morphologische Rekonstruktionen durch flap-Ops bzw. graft-Techniken) in der HNO (wg. der Unzugänglichkeit der Operationsgebiete?) noch keine Rolle spielen. Eine kausale Therapie der Sinusitis kann daher z. Zt. noch nicht erwartet werden. |
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